Frankfurt Radio Big Band / hr-Bigband, Jim McNeely, Nils Wogram

Trilogue + 15 – A Tribute to Albert Mangelsdorff


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2026 / nwog072


Line-Up:

Frankfurt Radio Big Band, conducted by Jim McNeely

Nils Wogram – Trombone



Heinz-Dieter Sauerborn as, ss, cl, fl; Oliver Leicht as, cl, alto cl, fl, picc; Stefan Karl Schmid ts, alto fl; Steffen Weber ts, cl, bcl; Rainer Heute bari, bcl; Frank Wellert tp; Thomas Vogel tp; Martin Auer tp; Axel Schlosser tp; Günter Bollmann tb; Lukas Wyss tb; Christian Jaksjø tb; Manfred Honetschläger b-tb; Peter Reiter piano; Martin Scales guit; Hans Glawischnig b; Jean Paul Höchstädter dr

Wie widmet man einen im Trio eingespielten Klassiker der Jazzgeschichte für eine Big Band um, ohne ihn zu überfrachten oder seine Substanz zu schmälern? Wie wird man einem solchen Monolithen gerecht, ohne ihn zu kopieren? Und wie übersetzt man ihn in ein neues Jahrzehnt, Jahrhundert, Jahrtausend, ohne ihn seiner ursprünglichen Relevanz zu berauben? Die Musikarchive platzen von Tributes an ikonische Alben von Coltrane, Miles oder Monk. Und dann gibt es Alben, die wie ein Vulkan aus dem Meer aufragen, an deren Besteigung sich aber niemand wagt. Eines dieser unerreichten Meisterwerke ist „Trilogue“, am 6. November 1976 auf den Berliner Jazztagen von dem Posaunisten Albert Mangelsdorff, dem E-Bassisten Jaco Pastorius und dem Schlagzeuger Alphonse Mouzon auf den Berliner Jazztagen eingespielt.
Auf „Trilogue“ prallten Welten aufeinander. Mangelsdorff zählte zur Vorhut der europäischen Emanzipation vom amerikanischen Jazz, Mouzon hatte zur Gründungsformation von Weather Report gehört, und Pastorius war gerade im Begriff, mit Weather Report deren Meilenstein „Heavy Weather“ aufzunehmen. Die Gemeinsamkeit des Ein-Mann-Orchesters Mangelsdorff, dessen Ton in den unterschiedlichsten Farbtönen oszillierte, des Klangfarbenmagiers Pastorius und des Pointillisten Mouzon bestand in ihrer visuellen Auffassung von Sound. Auf „Trilogue“ bahnten drei Musiker sich einen ebenso bedingungslosen wie ergebnisoffenen Weg durch den Kosmos ihrer Intentionen. Und bedingungslos bedeutete 1976 definitiv etwas anderes als 2026. Sich einem solchen Album anzunähern und es in einem völlig neuen Setting zu würdigen, ist mit einem Aufstieg zur Eiger-Nordwand ohne Seil vergleichbar.
Der Posaunist Nils Wogram, der Arrangeur Jim McNeely und die HR-Big Band haben es 2018 auf dem Deutschen Jazz Festival Frankfurt dennoch gewagt. In seiner Heimatstadt Frankfurt wird Mangelsdorff wie ein Heiliger verehrt. Viele der im Auditorium Anwesenden haben den 2005 verstorbenen Visionär noch persönlich gekannt oder zumindest live erlebt. Wogram stellte sich gewissermaßen dem kritischsten Publikum, vor das man mit einem derartigen Projekt überhaupt treten kann. Mehr Risiko geht nicht, und dieses Momentum kann man in jedem einzelnen Ton hören.




Photo: HR/Martin Oelze/Dirk Ostermeier